Predigern


Glanzpunkte, die in der Predigerkirche stattgefunden haben

Labyrinth_Fahne_Prediger_2019

500 Kerzen für ein Lichterlabyrinth in der Predigerkirche

Lichterlabyrinth Predigerkirche von 2.-5. Dezember 2019

In der hektischen und dunklen Jahreszeit, im Advent, brannte 2019 in der Predigerkirche ein grosses, eindrückliches Lichtlabyrinth aus über 500 Kerzen. Es will einladen zum Abschalten und Luft holen.

Labyrinthe gehören zu den ältesten Symbolen der Menschheit. Sie symbolisieren die Erfahrung des Unterwegseins. Wer aufbricht und ein Labyrinth begeht, nähert sich Schritt für Schritt dem Zentrum. Immer wieder muss man an Wegbiegungen die Richtung ändern, zeitweise ist man der Mitte sehr nahe, dann wieder recht weit weg.

Thomas Münch, katholischer Seelsorger an der Predigerkiche: «Labyrinthe sind keine Irrgärten. In einem Labyrinth gibt es keine Umwege und Irrwege, keine Sackgassen. Es ist das Unterwegssein das zählt, der Weg in die Mitte – in die eigene Mitte. Der Gang durch ein Lichtlabyrinth tut daher gut, schenkt Ruhe und lässt uns für kurze Zeit dem Alltag entfliehen.»

Einzelpersonen und Gruppen, Träumer und Realisten, Leichtgläubige, Tief- und Ungläubige, Geniesser und Asketen, Kirchenferne und Kirchennahe, Gestresste und Gelassene haben das Labyrinth besucht.

Flyer Lichterlabyrinth
Video (Christian Ender, Berlin)
Foto (Christian Ender, Berlin)

 

Tanz des Gehorsams_Web

Ökumene in der Predigerkirche

Im Dezember 2019 wurde ein Vertrag unterzeichnet, mit dem das Pilotprojekt «Ökumene an der Predigerkirche» fest geregelt und in den Kirchenkreis eins eingegliedert wurde.

«Die gemeinsam genutzte Kirche und die Zusammenarbeit über konfessionelle Grenzen hinweg sollen die Glaubwürdigkeit der Kirchen stärken, den ökumenischen Gedanken sichtbar machen und die Möglichkeit schaffen, ökumenische Zusammenarbeit exemplarisch zu vertiefen und als Lernort für Ökumene in Zürich zu etablieren» heisst es im neuen Vertrag.

In der Predigerkirche als Teil des Kirchenkreises eins finden regelmässig reformierte Gottesdienste, katholische Eucharistiefeiern und ökumenische Gottesdienste bzw. Mittags- und Abendgebete statt. Die «offene Seelsorge» wird von der reformierten Pfarrerin und dem katholischen Theologen gemeinsam und ökumenisch verantworten.

Eine Besonderheit sind die Freitagsvespern, die jeweils um 18:30 h stattfinden in unterschiedlicher konfessioneller Prägung (reformiert, röm.-kath., christkatholisch, orthodox, …) wie die z.B. die Instrumentalvesper zum 100. Geburtstag von Silja Walter vom 26. April. Eines ihrer lyrischen Werke, «Tanz des Gehorsams», zu dem Silja Walter auch Bilder geschaffen hatte, wurden vom Schweizer Komponist Carl Rütti für Harfe und Orgel vertont und zusammen mit Praxedis Rütti-Hug gespielt.

Bild 2019_Spiegelungen_web

SPIEGELUNGEN - Ein Blick in tiefere Schichten

20. September - 16. Oktober 2019

Der Luzerner Kunstmaler und Musiker Matthias Jäggi zeigte in der Predigerkirche Zürich Acrylbilder auf Leinwand und Holz zum Thema „Spiegelungen“.

Unser Leben pendelt zwischen Licht und Dunkel, zwischen Verlassenheit und Getragensein, zwischen Spiritualität und Materialität. Dass Eines ohne das Andere nicht denkbar ist, und dass in jedem Element sich das Andere spiegelt, wird fast in jedem seiner Bilder zum Thema. Von seinen Bildern ging eine suggestive Kraft aus. Ihre Oberflächen schienen zu atmen, zu pulsieren oder von innerem Licht erfüllt zu sein. Der Künstler vertraute ganz auf die sinnliche Erfahrung und die unmittelbare Begegnung mit dem Bild. Überall zeigte sich seine Faszination für Oberflächen, auf denen die Zeit ihre Spuren hinterlassen hat, für Ablagerungen und Auflösungsprozesse: Bröckelnder Putz, korrodierte Metalle, moosbewachsene Hölzer und Steine werden ihm zur stetigen Inspiration. Die vielfach auf- und wieder abgetragenen Farbschichten wirkten wie Reflexionen über die Zeit und Prozesse. Es gelang Matthias Jäggi, die materielle Präsenz von Farbe und Form in einen geistigen Schwebezustand zu überführen und so elementare Erfahrungen und Empfindungen zu transportieren. Spiegelungen des Bildes in der emotionalen Reaktion des Gegenübers öffneten vielfältigste Erfahrungen und Erlebnisse. Sich auf diese Bilder, die auch Spiegel unserer tiefsten seelischen Welten sind, einzulassen, war eine beglückende Erfahrung. Sie konfrontierte die Besucherinnen und Besucher mit der eigenen Unausgeglichenheit, gaben dieser einen gestalteten Raum und luden sie ein, zur Ruhe zu kommen.

Den Flyer zur Ausstellung finden Sie hier.
190614_Mahnwache Predigerkirche

Mahnwache

14. Juni 2019, 11.00 Uhr, vor der Predigerkirche

Ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Kindern gerade auch mitten unter uns in Zürich.

Am Frauenstreiktag wurden die Glocken der Predigerkirche um 11.00 Uhr eine Viertelstunde geläutet und vor der Predigerkirche fand eine Mahnwache statt im Gedenken an die Frauen und Kinder, die durch häusliche Gewalt gestorben sind und - auch bei uns - immer noch sterben.

Einen ausführlichen Bericht und Bilder finden Sie hier.

Interpretation einer Kadenz

Farbe und Licht – Reduktion

Die Ausstellung von René Gubelmann fand vom 17. Mai bis zum 13. Juni 2019 statt

René Gubelmann ist Maler und Musiker. Nach einem zehnjährigen Engagement als Schlagzeuger an der Tonhalle und am Opernhaus Zürich studierte er Farbpsychologie in Salzburg. Die Rauminstallation in der Zürcher Predigerkirche hat zum Thema «Farbe und Licht – Reduktion». Denn die vom Dominikaner- Orden in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtete Klosterkirche weist eine harmonikale Entsprechung zwischen Architektur und Musik auf. Diesen Zusammenhang mit einer weiteren Dimension aufzuzeigen, ist des Künstlers Absicht. Es geht ihm um die Sichtbarmachung der Kirchenmusik durch bestimmte Farbklänge. Der Künstler wendet sich mit seiner Installation den sieben verschiedenen Kirchentonleitern zu. «Die Auseinandersetzung mit den auch Modi genannten Kirchentönen sind umso wichtiger, als sie das tonale Ordnungsprinzip der gesamten abendländischen Musik bilden. Da die architektonischen Proportionen der Predigerkirche der C-Dur-Tonleiter entsprechen, bildet dieses das Hauptmotiv meiner visuellen Umsetzungen», erklärt René Gubelmann.

Kunsthistorisch ist René Gubelmann den Zürcher Konkreten zuzuordnen. Die vorliegenden Arbeiten lassen sich jedoch weniger durch physikalische oder kunsthistorische Erklärungen erschliessen, als durch die Wahrnehmung von farblich reizvollen Spannungs- und Harmoniefeldern, die dadurch entstehen, dass sie harmonikale Grundgesetze des Lebens sichtbar machen. In diesem Sinne kommt die Installation der heute interkonfessionellen Ausrichtung der Predigerkirche entgegen. Schliesslich forderten schon die antiken Kirchenväter, die religiöse Bedeutung des sinnlich Wahrnehmbaren zu erfassen.

Mehr zur Ausstellung hier
zu den Bildern und musikalischen Interpretationen hier

Schiele

Die Traumbeschauten – Ein Abend um Egon Schiele

15. – 17. März 2019 in der Predigerkirche

Der St.Galler Chor Inscriptum, Spezialist für szenische Projekte, hatte sich zum 100. Todestag mit dem Maler Egon Schiele beschäftigt. Autorin Laura Vogt schrieb den Text für «Die Traumbeschauten» – ein Musiktheater mit Werken von Dowland, Schönberg, Messiaen, Ešenvalds.

Beginn des 20. Jahrhunderts: Zeit des Aufbruchs und gesellschaftlicher Wagnisse. Schiele war ein Teil davon. Er starb 1918 mit 28 an der Spanischen Grippe. Als nicht greifbarer Maler lebt er 100 Jahre danach im Dialog von Wally Neuzil und Edith Harms wieder auf – ein Traum...

Laura Vogt, die Autorin hat sich gefragt, wie sie als Autorin einer in so vielen Facetten schillernden Persönlichkeit annähern kann, und das hundert Jahre nach dessen Tod „In «Die Traumbeschauten» habe ich dies durch das Einfangen unterschiedlicher Stimmen versucht. Im Stück werden Briefausschnitte von Schiele selbst und Notizen des Kunstförderers Arthur Roessler zitiert, Chormitglieder bringen Schieles Ambivalenzen zur Sprache und ein Blogger nähert sich ihm aus der heutigen Zeit noch einmal auf ganz eigene Weise. Vor allem aber sind da Wally Neuzil und Edith Harms, zwei der bedeutendsten Frauen in Egon Schieles Leben, die sich auf der Bühne ein letztes Mal mit ihm auseinandersetzen, bis auch sie – eigentlich schon tot – entschweben können.“

Die Bilder von Egon Schiele tragen eine grosse Musikalität in sich. Obwohl vieles Fragment bleibt, weisen diese stillen Momentaufnahmen über sich hinaus und geben Hinweise auf das Kommende. Die Zeit, in der Schiele aufwächst und malt, ist extrem faszinierend. Ob in Malerei und Musik, bei den Wiener Werkstätten oder in der Architektur: überall Aufbruch!

Davon lässt sich das musikalische Programm inspirieren, ausgehend von der Musik in Wien um 1900, vertreten durch Johann Strauss Sohn. Mit dem spätromantischen Volkslied von Arnold Schönberg wird der gesellschaftliche Umbruch eingeläutet: Schönberg ist, vergleichbar mit Schiele, einer der Wegbereiter der Klassischen Moderne. Seine neuen 12-tönigen Kompositionen erklingen mit der Chorbearbeitung «Farben» von 1909. Mit Olivier Messiaen und Karl Hodina folgen zeitgenössische Kompositionen. Schliesslich führt uns Eriks Ešenvalds mit seinen sphärischen Klängen «Stars» (2011) bis an das Firmament. Daneben sind analog zu Schieles Rückgriff auf Figuren der Romanik und Gotik auch Klänge der Alten Musik in den «Traumbeschauten» zu hören.

Weitere Informationen zu «Traumbeschauten»